Modellbasierte Hörgeräte

Übergeordnetes Ziel des Projektes ist die quantitative, modellbasierte Erfassung und Optimierung der mit Hörgeräten erzeugbaren akustischen und subjektiv vom individuellen Betroffenen wahrgenommenen Verarbeitungs-Qualität in realen Situationen. Im direkten Zusammenspiel von Modell-Entwicklern, Algorithmen-Entwicklern, Hardware- (bzw. Feldtest-Prototyp-) Entwicklern und Klinikern soll die interne Repräsentation von Schallen im gestörten Hörsystem durch modellgesteuerte Einstellung von Algorithmen („Modell in the loop", d.h. im Algorithmus sind Modell-Teile integriert) im Hinblick auf drei Kriterien optimiert werden:

  1. Gute Übereinstimmung mit dem ungestörten System (Modellbasierte Rekonstruktion)
  2. Gute Übereinstimmung mit der internen Repräsentation bei (linear) verbessertem externen SNR (Extremfall „clean" oder „dry") in Situationen mit externem Störgeräusch (Modellbasierte Störgeräuschunterdrückung)
  3. Gute Übereinstimmung mit der (aufgrund kognitiver Faktoren, Erfahrung/Akklimatisation oder Begrenzungen der Hörgeräte-Technologie) veränderten Zielvorgabe

Die Arbeiten sollen die Hierarchie der internen Repräsentation auf drei Ebenen untersuchen:

  1. Auditorischer Nerv (d.h. Grad der Kompensation cochleärer und ggf. retrocochleärer Funktionsausfälle),
  2. Ausgang der binauralen Stufe (binaural display) (d.h. Grad der Kompensation zweiohriger und binauraler Funktionsausfälle)
  3. Kognitive/bewusste Stufe (z.B. entsprechend dem „optimalen Detektor" beim PEMO), die durch o.a. kognitive Faktoren (z.B. relative Gewichtung von Pausen oder Frequenzbändern, Erwartungen an Klangqualität, Akklimatisation, ...) modifiziert werden können.

Die Güte der Abbildung (Rekonstruktion + Störgeräuschreduktion) soll im Rahmen des Modells durch Abstandsmasse/Qualitätsmodelle (auf mehreren Modell-Ebenen) bewertet und durch entsprechende Tests mit Probanden überprüft/weiterentwickelt werden.

Die Verzahnung zwischen Modell, Algorithmus, Labor- und Feldtest und ihre mögliche Umsetzung in kommerzielle Hörgeräte soll aus dem Vorgängerprojekt übernommen und erweitert werden mit dem Ziel, die vom Hörgerät erzeugte Qualität objektiv beurteilen zu können.